„Meine Spende für den Kühlschrank wurde mir aus dem Rollstuhl gestohlen“

Im Dezember 2017 erfuhr Rentner Josef L. durch die tz-aktion „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ vom Verein „Ein Herz für Rentner“. Er freute sich riesig, dass sich Leser meldeten, die ihn zu Weihnachten besuchten oder mit einem Telefonat überraschten. Der bescheidene Rentner wollte zunächst keine finanzielle Unterstützung, doch im Frühjahr ging sein Kühlschrank kaputt. Er stellte daraufhin beim Verein „Ein Herz für Rentner“ einen Antrag auf Unterstützung, auch für eine monatliche Patenschaft von 38 Euro. Beides gewährte ihm der Verein innerhalb kürzester Zeit.

Dreister Diebstahl am helllichten Tag

Herr L.  hob freudestrahlend das Geld für den Kühlschrank von seinem Konto ab, machte sich auf dem Weg zum Elektrofachmarkt – und wurde bestohlen. Portemonnaie, Bargeld, Ausweise – alles weg. Aus seiner Tasche, die am Rollstuhl hing, entwendet. Er gab eine Anzeige bei der Polizei auf, leider ohne Erfolg. Es blieb alles verschwunden. Gründerin und 1. Vorsitzende des Vereins, Sandra Bisping, war entsetzt: „Wie kann man einem behinderten Menschen aus dem Rollstuhl die Geldbörse entwenden? Was sind denn das für Menschen?! Ich bin zutiefst geschockt ob so viel Dreistigkeit. Einfach unglaublich traurig. Herr L. war am Boden zerstört.“  Doch der Verein ließ Herrn L. nicht im Stich und unterstütze ihn bei der Beschaffung eines neuen Kühlschranks.

Zur Armut kommt die Einsamkeit

Nach dem Tod seiner geliebten Frau im Jahr 2017 ist Herr L. zudem sehr einsam. Er hat weder Verwandtschaft noch Bekanntschaften. Seine Wohnung kann der gehbehinderte Rentner nur mit dem E-Rolli verlassen. Der 66-Jährige bezieht Rente und Wohngeld, nach Abzug aller Fixkosten bleiben ihm jedoch nicht mehr als 130 Euro im Monat. Da er sich nicht alleine versorgen kann, bezieht er Essen auf Rädern, das allein kostet ihm 27,00 Euro im Monat. Am öffentlichen Leben kann er kaum noch teilnehmen, eine Monatskarte der MVV ist für ihn unerschwinglich. Dabei würde er so gerne mal wieder unter Leute kommen, in den Tierpark oder in ein Wirtshaus auf eine Brotzeit gehen.

Bild: tz-Fotograf Michael Westermann