Immer hilfsbereit und stets einen lustigen Spruch auf den Lippen bestreitet Friedrich M. sein Leben von 675,08 Euro Rente und 243 Euro Wohngeld. Trotz knapper Kasse, obwohl er über 50 Jahre lang gearbeitet hat, bemüht er sich um Zuversicht und Optimismus. Ihm bleiben nach Abzug von Miete, Strom, GEZ und Versicherung 451,47 Euro zum Leben.

Studium verwehrt

Geboren wurde Friedrich M. 1952 in Leipzig. Sein Start ins Leben war sehr bewegt: Alle zwei Jahre wechselten seine Eltern berufsbedingt den Wohnort. In der DDR war es damals so, dass die Schüler in der 8. Klasse bereits einen Lehrvertrag vorlegen mussten, erklärt der Rentner. In der 9. und 10. Klasse lief neben der Schule die Berufsausbildung parallel mit. Nach dem Schulabschluss dauerte die Ausbildung dann nur noch ein Jahr. Neben der Schule verdiente er sich sein erstes Geld in einer Molkerei.

Friedrich M. absolvierte sowohl eine Rinderzüchter- als auch eine Schweißer-Lehre. Als Schweißer arbeitete er ein Jahr.

Eigentlich wollte der heute 74-jährige damals Geschichte studieren. Da seine Eltern aber nicht der Partei angehörten, wurde ihm dieser Wunsch in der DDR verwehrt. Er bekam in Aussicht gestellt, nach drei Jahren Armeedienst studieren zu dürfen: Doch das erwies sich als Trugschluss. Also machte er seinen Facharbeiter als Kellner an der Abendschule und dachte nicht im Traum daran, der SED beizutreten.

Berufung als Kellner

Seinen ersten Job als Kellner fand er im Kulturhaus in Böhlen. In der Rolle als Kellner konnte er seine kommunikative, aufgeschlossene und gesellige Ader voll ausleben. Er bediente bei Sondereinsätzen auch mal den russischen und Landwirtschaftsminister der DDR sowie bei zahlreichen Veranstaltungen. In Leipzig fand er unter anderem im Ratskeller eine Anstellung. 800 Mark verdiente er damals im Monat.

Mehrere Jahre arbeitete er in den Sommermonaten in einem Hotel. Dort lernte er Schauspieler und viele interessante Leute kennen, erinnert er sich gern an die alten Zeiten zurück. Auch nach Hiddensee in den Gasthof Stern verschlug es ihn.

Die Wende

Die DDR hatte sich aufgelöst, leider auch seine Unterlagen über seine bisherigen Arbeitsjahre. „Die Kommunisten haben alle meine Unterlagen, außer meine Lehrjahre zum Rinderzüchter, geschreddert“, erzählt der Rentner zutiefst enttäuscht.

Nach der Wende versuchten sich Friedrich M. und sein Geschäftspartner als selbstständige Restaurantbetreiber in Eisfeld (Thüringen) in einem für 19.000 Mark gekauften Haus an der Grenze nahe dem damaligen Schießturm. Er, das Organisationstalent, und sein Partner, der Profi in Steuer- und Finanzfragen, organisierten etliche Veranstaltung, von Hochzeiten über Fasching bis zum Kuhschwanzfest mit über 800 Gästen.

Nach sechs Jahren Selbstständigkeit folgte die Insolvenz, nachdem sein Partner erhebliche Gelder veruntreut hatte. Nun ließ sich Friedrich M. wieder im Ratskeller in Leipzig anstellen und war schließlich Restaurantleiter in verschiedenen Restaurants und Hotels. „Ich habe immer sehr gerne gearbeitet. Ich war so beliebt, dass andere Bedienungen schon sauer auf mich waren“, resümiert der 74-Jährige belustigt.

Nebenbei verdiente er sich vier Jahre lang in einem Baumarkt etwas dazu. „Ich liebe einfach den Kontakt zu Menschen. Trotzdem wurde es mir dann zu viel“, so der Rentner.

Mit 69 Jahren noch immer fleißig

Vier Tage die Woche half er für 500 Euro im Monat bei der Frühstücksversorgung im Verein brotZeit e. V. von Uschi Glas. Von seinem Verdienst kaufte er für die Kinder Lebensmittel und backte Apfelkuchen. „Es kam mir blöd vor, für Kinderbetreuung auch noch Geld zu bekommen, also habe ich es gleich für die Kinder ausgegeben“, strahlt Friedrich M. Vier Jahre blühte er dort auf, bis ihn Herzprobleme und hoher Blutdruck in die Schranken wiesen.

Sein soziales Engagement führte ihn auch in die Hesperidenpark-Seniorenwohnanlage und eine Behinderteneinrichtung, in der er als Rentner zwei Jahre gearbeitet hat.

Harte Zeiten im Alter

Friedrich M. hat immer viel und mit Herzblut gearbeitet, sich sozial engagiert, jetzt in der Rente aber mit der finanziellen Bestreitung seines Lebensabends zu kämpfen. Sein Wohngeldbezug ist im Februar ausgelaufen, den Folgeantrag hat er Anfang Februar eingereicht in dem Glauben, dass es sogleich weitergezahlt wird. Doch weit gefehlt. Er kann erst in einem Jahr mit weiterem Wohngeld rechnen, weil die Bearbeitungszeit mittlerweile extrem lange dauert.

„Ich habe immer versucht, alles selbst zu organisieren und hinzubekommen, aber das geht jetzt nicht mehr. Ich habe gerade noch 3,87 Euro in der Tasche. Davon kaufe ich Katzenfutter und ein Stück Butter.“

Seit 2025 bei Ein Herz für Rentner e. V.

„Ich hätte nicht mal Schuhe, wenn ihr das nicht für mich übernommen hättet“, seufzt Friedrich M. Wir haben ihn bisher mit Geld für Lebensmittel, Medikamente, Kleidung und drei Monate Deutschlandticket unterstützt.

Obwohl die finanzielle Bedrohung allgegenwärtig ist, ist der Rentner der Überzeugung: „Man braucht nicht unbedingt Geld, um gute Laune zu haben.“