Früher eine Powerfrau, heute noch rüstig mit Rollator unterwegs trotz gesundheitlicher Einschränkungen: Petra T. ist 88 Jahre alt, bekommt eine Rente von 1.122 Euro plus eine Zusatzrente von 126 Euro. Aufgestockt wird ihr Renteneinkommen mit 278 Euro Wohngeld.

Mit vier Jahren Halbwaise

Petra T. kommt 1938 im kleinen Ort Turnow zur Welt, inmitten einer Zeit, die von Unsicherheit und Entbehrung geprägt ist. Als sie vier Jahre alt ist, fällt ihr Vater im Zweiten Weltkrieg. Ihre Mutter steht plötzlich allein da – mit zwei kleinen Kindern und einer Zukunft, die es erst wieder aufzubauen gilt.

Gemeinsam ziehen sie nach Cottbus, wo Petra T. ihre Kindheit und Jugend verbringt. Doch in der DDR bleiben ihr viele Türen verschlossen: Weil ihre Mutter sie und ihren Bruder nicht zur FDJ (Freie Deutsche Jugend) oder zu den Pionieren schicken möchte, wird ihr eine Berufsausbildung verwehrt.

Auf nach Berlin

Mit 18 Jahren zieht es Petra T. nach Berlin. Sie ist voller Tatendrang, darf aber keine Ausbildung machen – also arbeitet sie. In einer Großschlachterei verdient sie ihr erstes Geld.

Doch Berlin ist nicht ihr letzter Halt. Noch bevor die Mauer 1961 gebaut wird, zieht sie nach Hannover, später weiter nach Darmstadt. Dort arbeitet sie als Stationshilfe im Krankenhaus – ein herausfordernder, aber erfüllender Beruf. In Darmstadt lernt sie auch ihren späteren Mann kennen.

40 Jahre gearbeitet

Gemeinsam zieht das Paar nach Kiel, wo Petra T. bis heute lebt. Sie findet Arbeit bei der Bundeswehr in der Kantine und später in den Küchen der Unikliniken. Als ungelernte Kraft verdient sie nie viel. Doch sie hält durch – und arbeitet vier Jahrzehnte lang.

Familienglück

Zwei Kinder bringt sie zur Welt, einen Jungen und ein Mädchen. Ihr Mann bleibt überwiegend zu Hause bei den Kindern, Petra T. geht arbeiten und kümmert sich darum, dass es in der Schule läuft. „Beide haben einen Abschluss, da bin ich sehr stolz“, sagt sie.

Bis heute hat sie einen wunderbaren Kontakt zu ihren Kindern, die sich liebevoll um sie kümmern. Sie schauen regelmäßig nach ihr, versorgen sie mit Wasserkisten, unterstützen sie dort, wo sie es möchte. Doch: „Ich lasse mich nicht bemuttern. Mein Sohn rät mir, aufs Land zu ziehen, um weniger Miete zu zahlen. (Sie zahlt aktuell 549 Euro) Aber dort bin ich abhängig und das möchte ich auf gar keinen Fall“, betont die Seniorin selbstbewusst.

Das Alter hinterlässt seine Spuren

Petra T. wird in zwei Monaten 88 Jahre alt. Sie hat Pflegestufe 2 sowie einen Schwerbehindertengrad von 100 %, leidet unter Arthrose, Asthma und Bronchitis und braucht einen Rollator. Dennoch geht sie allein einkaufen, kocht vor und friert ihr Essen ein. Sie nimmt alle Arzttermine selbst wahr – ein Bus hält direkt vor ihrer Haustür. Sie geht jeden Tag eine Runde spazieren, besucht einmal pro Woche ihren Bewegungstherapiekurs und wöchentlich die Seniorengruppe, in der bis zu 25 ältere Menschen zusammenkommen. „Altersmäßig bin ich dort im Mittelfeld“, sagt sie belustigt, „der Älteste ist 100 Jahre alt.“ Dort trinken sie Kaffee, essen Kuchen, lachen miteinander, feiern gemeinsam Weihnachten.

Petra T. liebt diese Gemeinschaft. Sie liebt auch Flohmärkte: „Ich kann mir zwar nichts kaufen, aber ich schaue gerne, was es so gibt.“

Wenn das Geld knapp wird …

Die Seniorin lebt sparsam und bescheiden, wird von ihren Kindern auch zum Essen eingeladen, dennoch reicht ihre Rente nicht für alles, was sie braucht. „Regelmäßige Fußpflege kann ich mir nicht leisten“, und Ausgaben für Lebensmittel, Drogerieartikel oder Medikamente, die die Krankenkasse nicht trägt – all das geht oft über ihr Budget.

Die Tafel habe sie rausgeworfen, wie sie sagt, „weil ich 35 Euro über dem Satz liege“. Also hat sie sich umgehört und von Ein Herz für Rentner e.V. erfahren.

Seit Juni 2025 unterstützen wir die Seniorin und haben unter anderem die Kosten der GEZ-Gebühren für ein Jahr übernommen, für ihren Schwerbehindertenausweis, Lebensmittel, Drogerieartikel und notwendige Medikamente.

Zufrieden mit wenig

Petra T. braucht nicht mehr viel im Leben, sie stellt keine besonderen Ansprüche mehr, sondern lebt nach dem Motto: „Was nicht geht, das geht nicht“, sowohl finanziell als auch körperlich. Selbstständigkeit ist ihr enorm wichtig und wenn sie Hilfe braucht, hat sie immer jemanden, an den sie sich wenden kann. „Ich bin zufrieden“, kann sie von sich behaupten.