Am 24. Februar 2022 wurde ein drohendes Kriegsszenario Realität. Russlands Truppen marschierten in die Ukraine ein. Einschneidende Sanktionen wurden umgehend gegen Russland verhängt in der Hoffnung, weiterem Blutvergießen baldmöglich Einhalt zu gebieten. Doch wann das sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Spürbar für die ganze Welt, die EU, für Deutschland sind jedoch kriegs- und sanktionsbedingte Rückkopplungen auf die Verbraucherpreise.

Energiepreise ohne Limit

Die Energiepreise sind in ihrem Trend nach oben kaum zu bremsen. Seit dem 20. Dezember 2021 klettert die Ölpreiskurve von 71,34 Dollar pro Fass stetig nach oben bis aktuell auf 129,24 Dollar. 2008 lag der letzte Spitzenwert bei 147,50 Dollar pro Fass. Experten rechnen damit, dass die 200-Dollar-Marke pro Ölfass bedingt durch den Ukraine-Krieg geknackt werden könnte.

Auch die Gaspreise steigen und steigen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft meldete Anfang 2022 einen Preisanstieg von 83 Prozent, das heißt von 6,47 Cent/kWh (2021) auf durchschnittlich 11,84 Cent/kWh. Für Neukunden wird’s noch teurer.

Beim Strom sieht es nicht besser aus. Dieser ist in Deutschland ohnehin sehr teuer. Der Ukraine-Konflikt sorgt für zusätzliche Schübe nach oben. 2021 kostete die Kilowattstunde 31,9 Cent, im Januar 2022 34,6 Cent, Neukunden müssen 43 Cent zahlen.

Können sich von Armut betroffene Rentner Strom noch leisten?

Zusammengefasst haben die Energieanbieter um 56 Prozent die Preise angezogen. Wie sollen sozial schwache Senioren damit umgehen? Viele Möglichkeiten haben sie nicht. Am Telefon erfahren wir, dass unsere Rentner kaum noch heizen, maximal einen Raum. Sie frieren, um Energie zu sparen. Sie sitzen im Halbdunkeln, um Energie zu sparen, und sie essen kalt, um Energie zu sparen. Die Angst vor der nächsten Rechnung ihres Energieanbieters treibt sie in Existenzängste. Und die von 2022 kommt erst noch …

Lebensmittelpreise steigen 2022 um 7 Prozent

Erhöhen sich die Preise für Energie und Rohöl, wirkt sich dies indirekt auf viele andere Lebensbereiche aus, weil Herstellung, Lagerung und Lieferung dadurch ebenfalls teurer werden. Über kurz oder lang werden wohl alle Produkte in Discountern und Supermärkten betroffen sein. Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Nudeln, Reis, Frühstücksflocken, Speiseöl, Marmelade, Schokolade, Senf, Semmeln, Backwaren, Fleisch, Fertigsaucen, Soja, Gewürze, Fisch und Zucker sind bereits teurer geworden.

Gründe für die Preisexplosion sind auch in Lieferengpässen oder -ausfällen zu finden: Kaffee, Zucker und Sojabohnen werden beispielsweise aus Brasilien importiert, dort mangelt es jetzt allerdings am Dünger, der überwiegend aus Russland importiert wird. Auch Deutschland hängt von Düngemitteln aus Russland ab, weshalb bei uns Weizen, Hafer und Mais teurer werden. Zudem importieren wir ein Viertel unseres Weizens aus Russland und der Ukraine sowie 94 Prozent des Sonnenblumenöls. Die krisenbedingte Verteuerungsrate liegt hier bei 77 Prozent. Die Ukraine beliefert uns auch mit Raps und Senfsaat. Lieferengpässe sorgen für wohl bald lichtere Regale und höhere Preise.

Bleiben die Kühlschränke bedürftiger Senioren bald leer?

Wenn sich die Situation weiter so zuspitzt, könnten sich die Lebensmittelpreise sogar um bis zu 10 Prozent bis zum Sommer in die Höhe schrauben. Wir haben in unserem Verein doch einige Rentner, die teils sogar zwei Wochen vor Monatsende kaum mehr oder sogar gar nichts mehr zu essen haben. Vielleicht noch Zwieback oder Knäckebrot, das war’s. Auf Obst und Gemüse verzichten sehr viele Senioren, weil beides zu teuer ist. Und die bisherigen Preissteigerungen sind erst der Anfang. Im Gespräch mit unseren Senioren hören wir so oft, dass sie gar nicht wissen, wie es weitergehen soll, dass Einkaufen zum Spießrutenlauf wird, weil jeder Cent dreimal umgedreht werden muss.

Auch Pflegedienste wollen Preise erhöhen

Die hohen Sprit-Preise betreffen auch Dienstleistungsunternehmen schwer. Die Mehrkosten sollen auf den Verbraucher umgelegt werden, sodass auch Pflegedienste, der ÖPNV, Umzugsfirmen, Transportunternehmen, Fahrschulen, Kino, Theater und andere Freizeiteinrichtungen wie Zoos, Schwimmbäder und Fitnessstudios gezwungen sind, die Preise anzuheben. Zudem sind Möbel, Textilien und Elektronik mit Preissteigerungen belegt.

So gut wie alle Lebensbereiche sind somit bereits betroffen oder werden noch betroffen werden. Die Inflation hat uns mit 5,1 Prozent schon vor Kriegsausbruch finanziell belastet, der Ukraine-Konflikt befeuert diese Entwicklung noch einmal drastisch. Laut dem Ökonom Daniel Steter könnte sich diese sogar verdoppeln. Der Präsident Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet, es könne „sehr, sehr hart werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher in den kommenden Monaten“.

Harte Zeiten für sozial schwache Senioren

Setzt sich die bereits stattfindende Preisaufwärtsspirale weiter fort, wird es bedürftigen Senioren noch schlechter gehen als ohnehin schon. Sie kommen bereits jetzt kaum über die Runden und müssen mit Mangelzuständen klarkommen, obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben. Kleine Extras, um sich auch mal etwas Gutes zu tun, sind nicht drin. Es sei denn, EIN HERZ FÜR RENTNER unterstützt sie. Viele haben noch Uralthaushaltsgeräte, die jede Menge Strom fressen. Aber Geld für energiesparsamere Neugeräte ist nicht vorhanden, es reicht ja nicht einmal für die nötigen Medikamente, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Den Gürtel einfach mal enger zu schnallen, der einem bereits die Luft zum Atmen abschnürt, ist unmöglich, unmenschlich und unwürdig. Daher müssen wir zusammenhalten, füreinander da sein und unsere ältere Generation, die Deutschland mit aufgebaut hat, unterstützen, so gut, wir können.

13.04.2022